Psoas & Angst: Wie tiefe Muskeln unser Nervensystem steuern

Hüftöffner mit Tiefgang: Eine einfache Übung für Körper und Psyche

Immer wenn wir Stress haben, reagiert auch unser Körper. Und ein Muskel ganz besonders: der Psoas major, der entscheidend für Haltung, Stabilität und Bewegung der Hüfte ist. Der Psoas ist einer der wichtigsten – und am meisten übersehenen – Muskeln des Körpers. Er verbindet die Wirbelsäule mit den Beinen, stabilisiert beim Gehen, Sitzen und Atmen. Anatomisch verläuft er tief im Beckenraum; funktional steht er an der Schnittstelle von Bewegung und Emotion.
Chronischer Stress, langes Sitzen oder einseitige Belastungen führen dazu, dass der Psoas dauerhaft angespannt bleibt. Das kann sich zeigen als Rückenschmerz, Hüftsteife, innere Unruhe oder das diffuse Gefühl, „nicht loslassen zu können“.

Ein dauerhaft verspannter Psoas sendet Stresssignale ans Nervensystem. Umgekehrt kann eine gezielte Entspannung dieses Muskels das parasympathische System aktivieren – also den Teil des Nervensystems, der für Regeneration und Ruhe zuständig ist.

Eine besonders effektive Übung zielt darauf ab, den Psoas sanft zu dehnen und gleichzeitig die Core-Stabilität zu aktivieren. Du liegst auf dem Rücken, ein Bein gestreckt leicht angehoben, das andere im rechten Winkel aufgestellt. In dieser Position kann sich der Psoas dehnen, während du durch bewusstes Atmen das Nervensystem beruhigst. Regelmäßige Anwendung verbessert Hüftbeweglichkeit, reduziert Spannung im unteren Rücken und kann sogar Angst und Stress spürbar reduzieren.

Hack: Psoas Release – Tiefenentspannung für Körper und Seele

Position: Lege dich auf den Rücken.
Ein Bein bleibt locker gestreckt auf dem Boden (oder leicht erhöht auf einem flachen Kissen).
Das andere Bein legst du auf einen Hocker oder Beistelltisch, so dass Hüfte und Knie jeweils etwa 90 ° gebeugt sind.
Becken neutral halten: Kein Hohlkreuz, kein Druck in den Boden. Der untere Rücken liegt locker.
Atme ruhig in den Bauch. Spüre, wie die Hüfte mit jeder Ausatmung etwas weicher wird.
Bleibe 1–3 Minuten pro Seite, ohne Zug, ohne Dehnung – der Psoas reagiert auf Ruhe, nicht auf Kraft.

Wirkung: Diese Position entlastet den Psoas des angewinkelten Beins. Das Nervensystem erkennt die „Sicherheitslage“ und reduziert die Grundspannung – ein biologischer Reset, der oft in wenigen Minuten spürbar ist.

Pro-Tipp: Neuromuskuläre Entspannung statt Stretching
Anstatt den Muskel aktiv zu dehnen, arbeite mit der Schwerkraft. Je weniger du „willst“, desto mehr lässt der Körper los.

Quellen:

  • Tozi, C. A. et al. (2022). The psoas major: anatomy, function, and clinical considerations. Clinical Anatomy.
  • Myers, T. (2014). Anatomy Trains. Churchill Livingstone.
  • Emerson, D. & Hopper, E. (2011). Overcoming Trauma through Yoga: Reclaiming Your Body.

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